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Bericht 2025...

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Dank eurer Unterstützung konnte auch im 2025 wieder CHF 1'000.-
an benachteiligte Menschen in Kambodscha gespendet werden!

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Liheyn zeigt viel Begeisterung fürs Spielen.jpg
Zertifikats-Übergabe in der Blinden- und Gehörlosensch ule.jpg
der aufgeregte Mongkol mit seiner Mutter Phary auf dem Weihnachtsausflug.jpg

Kambodscha - Bericht 2025 

Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte

 

Kurz vor Weihnachten ist es wieder Zeit für das jährliche Update.

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Schon bei meiner Ankunft am Flughafen von Siem Reap wurde ich herzlich von Bon, dem Töff- und Velomechaniker, und seiner Frau empfangen – was für ein tolles Ankommen! Die Vorbereitungen für den alljährlich stattfindenden Angkor Marathon laufen auf Hochtouren und entsprechend belebt zeigt sich die Stadt. Auffällig ist, dass  Siem Reap seit dem vergangenen Jahr vermehrt von wohlhabenden Einheimischen aus der Hauptstadt Phnom Penh besucht wird, die sich ein verlängertes Wochenende gönnen. Ein weiterer Grund dafür dürfte nun auch sein, dass das unkomplizierte Passieren der Landgrenze ins Nachbarland Thailand derzeit nicht mehr möglich ist.

Zwei Tage nach meiner Ankunft, kaum war der Angkor Marathon vorbei, eskalierte der seit Jahrzehnten schwelende und in diesem Jahr wieder aufgeflammte Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha erneut. Die Bevölkerung ist verunsichert und hat Angst vor einem Krieg und dessen möglichen Folgen. Die staatlich gelenkten Medien auf beiden Seiten der Grenze tragen leider dazu bei, die Situation weiter anzuheizen.

Tausende Menschen fliehen aus den Grenzgebieten nach Siem Reap. Dort werden Zelte aufgestellt, Hilfsgüter und Geld gesammelt sowie Essen verteilt. Und das nicht etwa von der Regierung, sondern von der Zivilbevölkerung selbst, die ohnehin kaum über die Runden kommt. Solidarität ist hier kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. Auch ich habe vor Ort gespendet – und das im Namen von euch allen.

Der Konflikt wirkt sich natürlich auch auf die Sicherheitslage und das Vertrauen der Feriengäste aus, die in die Region reisen möchten, um die Tempelanlagen von Angkor zu besuchen – ausgerechnet jetzt, wo die Hochsaison begonnen hat. Dies hat wiederum direkte Folgen für das Einkommen vieler Einheimischen, sei es in Unterkünften, Restaurants, als Tourguides, Tuktuk-Fahrer oder Verkäufer.

Die Lage für viele Khmers ist wie so oft herausfordernd.

 

Lida, der ausgebildete Ingenieur, hat in der Zwischenzeit einen Job in Siem Reap angenommen und mich zum Kaffee an seinen Arbeitsplatz eingeladen. Er möchte nächstes Jahr nochmals weiterstudieren um einen Master Degree in Technology zu erwerben.
Mit seinem jetzigen Einkommen unterstützt er zudem seine Mutter, die aufgrund einer Herzkrankheit auf teure Medikamente angewiesen ist. Wir werden Lida auf seinem Weg zum Masterabschluss unterstützen – damit aus Talent, Fleiss und Druchhaltewille eine gute Zukunft entstehen kann.

 

Sein Bruder Sophan ist weiterhin in Phnom Penh. Inzwischen hat er seinen Koreanisch-Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen und absolviert nun eine Kurzausbildung als Schreiner. Ab Januar 2026 wird er voraussichtlich in Südkorea in einer Möbelfabrik arbeiten. Ich habe ihm vorsorglich Geld für eine warme Jacke geschickt – denn Südkorea im Januar ist für einen Khmer nicht einfach kalt, sondern so etwas wie eine arktische Mutprobe.

 

Samnaeng wird noch in diesem Monat sein IT-Studium in Phnom Penh mit dem Examen abschliessen. Ich hoffe sehr, dass er danach eine gute Stelle in seinem Wunschbereich findet. 

 

Und nun zu Lina, deren Situation sich leider nicht wirklich verbessert hat.

Noch immer lebt sie bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater. Sie nimmt zwar regelmässig Medikamente, leidet jedoch weiterhin unter schweren psychischen Problemen. Für Aussenstehende ist diese Situation kaum vorstellbar, doch Lina ist – zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutz der Menschen in ihrer Umgebung -  mit einer Kette an einem Pfosten fixiert. Sie lebt und schläft auf einem einfachen Holzrost unter dem für ländliche Gegenden Kambodschas typischen Stelzenhaus.

Ich besuche sie zusammen mit Srey Roth, einer ihrer «Schwestern» aus dem Kinderheim und deren Bruder Pala, der als Tourguide arbeitet und dadurch ein Auto zur Verfügung hat. Nach einer über zweistündigen Fahrt werden wir bei unserer Ankunft von Kindern umringt – es gibt hier draussen keine «Barang» (Westler). Lina freut sich sehr uns zu sehen. Durch die Kette an ihrem Fuss hat sie jedoch einen motorischen Tic entwickelt und wechselt ständig von einem Bein aufs andere. Die Eltern beschliessen, Lina während unseres Besuchs abzuketten, finden jedoch den Schlüssel zunächst nicht. Erst nachdem das Schloss schliesslich aufgesägt werden konnte, ist sie frei.

Lina geniesst diese kleine Freiheit sehr. Es gibt Reis und Suppe zum Mittagessen und wir bringen sie anschliessend  - niemand wusste, dass dies nochmals über eine Stunde Fahrzeit pro Weg bedeutet - zur monatlichen Injektion beim Arzt.

Zurück bei den Eltern werden Palmfrüchte aufgehackt und gegessen. Lina trinkt eine Art Cola, die sie sichtlich aufputscht. Die Stimmung kippt: Lina wird zunehmend agressiv, greift ihre Eltern verbal an und bedroht sogar ihren Stiefvater mit einer Machete. Die ungefähre Übersetzung dessen, was sie ihren Eltern an den Kopf wirft, wird mir später übermittelt. Klar ist: für alle Anwesenden ist die Situation extrem belastend, unangenehm und von Angst geprägt. Es wird deutlich, dass Lina sich nicht mehr anketten lassen will. Pala versucht daraufhin, sie zu beruhigen und er erklärt ihr über fast zwei Stunden hinweg, was passieren kann, wenn sie die Kontrolle verliert und welche Folgen das haben könnte. Schliesslich gelingt es: Lina beruhigt sich und lässt sich freiwillig wieder anketten.
Ich kann kaum in Worte fassen, wie traurig und ohnmächtig diese Situation macht. Natürlich möchte niemand einen Menschen anketten. Doch es wäre verheerend, wenn Lina ihrer Familie oder sich selbst etwas antun würde.

Lina würde dringend psychologische Betreuung benötigen. Diese existiert in Kambodscha nicht. Hilflos und traurig fahren wir zurück…

 

Am Montagabend habe ich alle meine Bekannten, die Zeit hatten, zu einer Zirkusvorstellung im «Zirkus Phare» eingeladen. Dieser Zirkus wurde geschaffen, um benachteiligten Kindern eine Ausbildung im künstlerischen Bereich zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu fördern und ihnen zu erlauben, einen angemessenen Lohn zu verdienen. Ein Einkommen, das sie aus der Armut befreit und ihnen Selbstwertgefühl und Freiheit schenkt. Der Zirkusausflug fand grossen Anklang – alle waren begeistert von der akrobatischen Show, und die jüngsten Besucher übten nach der Vorstellung auf dem Parkplatz gleich Handstand und Rad - die nächste Zirkusgeneration steht in den Startlöchern.

 

Auch dieses Jahr verbrachte ich viel Zeit mit unseren blinden Freunden und deren Familien.
Lui, der als Masseur tätig ist, hat leider weiterhin eher wenige Kunden. Deshalb verkauft er zusätzlich Wasser und Snacks am Strassenrand-  oft stundenlang sitzend auf einem alten Plastikstuhl, der vermutlich schon mehrere Leben hinter sich hat. Um ihm das Sitzen etwas angenehmer zu machen, habe ich ihm stabile Campingstühle aus festem Stoff gekauft.

Lihian, sein 14-jähriger Sohn, ist nun in der 8. Klasse. Er hat den Wunsch geäussert, später Koch zu werden.  Für seinen Bruder Liheyn, inzwischen drei Jahre alt, ist die Berufswahl noch kein Thema. Der quirlige Knirps möchte vor allem alles haben, was sein grosser Bruder besitzt. Dieser ist sehr geduldig und liebevoll, auch wenn ihn der Kleine zeitweise bestimmt etwas nervt …

Mit Lihian unternehme ich einen Ausflug in ein grosses Geschäft voller Spiel- und Papeteriewaren. Er darf sich ein Geschenk aussuchen und auch für Liheyn etwas auswählen. Die Qual der Wahl … Schliesslich verlasse ich das Geschäft mit einem strahlenden 14-Jährigen, einem Badminton-Set, ein paar Schreibwaren, einem Tischventilator (ja, es ist heiss …) und einem Spiel-Laster für den kleinen Bruder.
Unsere Unterstützung für die beiden Jungs geht selbstverständlich weiter.

 

Mit Vannsak, dem Blindenlehrer, seiner Frau Phary und ihrem Sohn Mongkol steht ebenfalls ein «Weihnachtsausflug» an. Mongkol freut sich über neue Spielsachen und englische Bücher. Nach wie vor besucht er mit grossem Eifer die Schule, in der hauptsächlich auf Englisch unterrichtet wird. Die Sprachkenntnisse des fünfjährigen Jungen sind beeindruckend. So aufgeregt wie er war, fällt er beim anschliessenden Znacht in einem kleinen lokalen Restaurant vor Müdigkeit fast unter den Tisch.
Auch Mongkol werden wir weiterhin auf seinem Weg begleiten.

 

Bei einem Treffen mit der Direktorin und den mir bekannten Lehrpersonen der Blinden- und Gehörlosenschule wird schnell klar, dass Sport an der Schule zwar wichtig ist, aber vom Staat eher sportlich ignoriert wird.  Kurzerhand sitze ich wieder in einem Auto – zusammen mit drei Lehrpersonen – und fahre Richtung Sportladen in der Stadt. Dort bin ich inzwischen keine Unbekannte mehr und die Verkäuferin bedankt sich mit einem T-Shirt für unsere Bestellung: 38 Paar Sportschuhe, 18 Sporttenues für das neue Mädchen-Fussballteam und ein paar Bälle. Zur erfolgreichen «Mission completed» lade ich die Lehrpersonen noch auf eine Suppe ein - das kambodschanische Pendant zum Zvieri.

Frisch gestärkt zurück in der Schule wird mir ein Zertifikat überreicht – nicht nur für mich, sondern für EUCH alle.
Ohne eure Unterstützung wäre all das nicht möglich.
Auch wenn es für uns vielleicht etwas ungewohnt wirkt: In Kambodscha ist ein solches Zertifikat eine grosse Ehre – und wird mit entsprechendem Stolz überreicht.

 

Abends treffe ich mich mit zwei Khmer-Freundinnen, die ich seit 2011 kenne. Damals gehörten sie zu den älteren Mädchen im Kinderheim. Heute arbeiten beide an verschiedenen internationalen Schulen – die eine als Lehrerin, die andere als Assistentin. Für mich sind diese zwei Frauen Vorbilder für die nächste Generation. Sie kümmern sich um ihre Eltern und Familien, sind dennoch unabhängig und vertreten ihre eigene Meinung.
Als Frau in Kambodscha weder Mann noch Kinder zu haben, ist allerdings kein Spaziergang. Es erfordert Stärke, Durchhaltevermögen und ein dickes Fell. Umso mehr bewundere ich diese beiden Frauen – und wir verbringen einen wunderbaren Abend zu dritt.

 

Und dann ist meine Zeit auch schon fast wieder um. Es fehlt nur noch das altbewährte und sehr beliebte Buffet-Dinner.
Neues Jahr, neues Lokal: diesmal nicht unter einem Blechdach, sondern unter freiem Himmel. Weniger überfüllt und ideal zum Plaudern.
Das All-you-can-eat ist selbstverständlich Pflicht und ich bin mir ziemlich sicher, dass bei den Mengen, die hier vertilgt werden, wenig Gewinn für das Restaurant übrig bleibt.

 

Ganz herzlichen Dank auch dieses Jahr für eure grossartige Unterstützung.

Sie leistet einen wichtigen Beitrag dazu, unseren Khmer-Freunden eine hoffnungsvollere und sorgenfreiere Zukunft zu eröffnen.

 

Ich wünsche euch entspannte und fröhliche Festtage und einen guten Rutsch in ein glückliches und gesundes Neues Jahr.

 

Herzliche Grüsse

Sibylle

 

Spendenkonto Santepheap Kambodscha:
Konto ZKB, IBAN CH53 0070 0110 0042 3031 2 (Sibylle Hess, Hofwiesenstrasse 2, 8450 Andelfingen)

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  1. Pala umringt von Kinden

  2. Liheyn zeigt viel Begeisterung fürs Spielen

  3. Zertifikats-Übergabe in der Blinden- und Gehörlosenschule

  4. Der aufgeregte Mongkol mit seiner Mutter Phary auf dem Weihnachtsausflug

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